Ratgeber


Wissenswertes zu Pflegegrad 1

Eine unerwartete Pflegebedürftigkeit stellt alle Beteiligten meist vor große Herausforderungen. Der Betroffene erlebt körperliche oder geistige Veränderungen und ist auf verstärkte Unterstützung aus dem direkten Umfeld angewiesen. Angehörige und Freunde wiederum stehen oft mitten im Berufsleben oder haben eigene Familien und müssen nun ihren Tagesablauf neu organisieren. 

Der Pflegegrad 1 wird Menschen zuerkannt, bei denen Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (bei gesetzlich Versicherten) oder Medicproof (bei privat Versicherten) eine „geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ feststellen. In diesem Pflegegrad erhalten Versicherte zwar keine Sachleistungen wie die Betreuung durch einen Pflegedienst, jedoch stehen ihnen dennoch finanzielle Unterstützungsleistungen zu.

Nehmen Sie Beratungsleistungen in Anspruch

Als pflegebedürftige Person mit dem Pflegegrad 1 stehen Ihnen umfassende Beratungstermine zur Verfügung, die von Ihrer Pflegekasse angeboten werden. Diese Beratungen geben Ihnen die Möglichkeit, sich über eventuelle Veränderungen sowie Ihre weiteren Optionen zu informieren. Gerade bei einem möglichen weiteren Abbau der körperlichen oder geistigen Fähigkeiten des Betroffenen, ist es ratsam, regelmäßig das Thema Pflege zu besprechen, um schnell reagieren zu können und gegebenenfalls einen höheren Pflegegrad zu beantragen.

Zu den Leistungen der Pflegekasse gehört es auch, Angehörige in die häusliche Pflege einzubeziehen. Hierfür werden Kurse und Schulungen angeboten, die Ihnen grundlegendes Wissen vermitteln und praktische Anleitungen bieten, um den Pflegealltag zu erleichtern. Diese Schulungen sollen Ihnen als Angehöriger dabei helfen, die Pflegebedürftige Person bestmöglich zu unterstützen und dabei auch auf Ihre eigenen Bedürfnisse zu achten.

Ihre Pflegekasse steht Ihnen für weitere Informationen gerne zur Verfügung!

Voraussetzungen für Pflegegrad 1

Versicherte müssen zunächst einen allgemeinen Antrag auf Pflegegrad stellen. Dabei ist es nicht notwendig, explizit Pflegegrad 1 zu beantragen. Die Voraussetzung für die Zuerkennung von Pflegegrad 1 liegt in einer „geringen Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“. Hierbei spielen die ermittelten Punkte im Rahmen des Begutachtungsverfahrens eine entscheidende Rolle.

Die Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) oder Medicproof (bei privat Versicherten) bewerten anhand des Begutachtungsverfahrens verschiedene Aspekte der Selbstständigkeit und des Hilfebedarfs im Alltag. Dabei müssen sie im Bereich von 12,5 bis unter 27 Punkten liegen, um Pflegegrad 1 zu ermitteln.

Die Punkte werden anhand verschiedener Kriterien wie der Fähigkeit zur Körperpflege, der Mobilität, kognitiver und kommunikativer Fähigkeiten, der selbstständigen Bewältigung des Alltags und der sozialen Teilhabe ermittelt. Je nach Grad der Beeinträchtigung werden Punkte vergeben und aufsummiert.

Bei Erreichen der erforderlichen Punktzahl von 12,5 bis unter 27 Punkten wird Pflegegrad 1 zuerkannt und damit verbundene Leistungen aus der Pflegekasse gewährt. Diese Leistungen können finanzielle und sachliche Unterstützungsmaßnahmen umfassen, die je nach individuellem Bedarf in Anspruch genommen werden können.

Leistungen bei Pflegegrad 1

Mit einem anerkannten Pflegegrad 1 wird bestätigt, dass der Betroffene seinen Alltag größtenteils eigenständig bewältigen kann, jedoch auf geringfügige Unterstützung angewiesen ist. Die Grundpflege, wie das Waschen, Ankleiden und der Toilettengang, sowie die Zubereitung von Mahlzeiten und die Haushaltsführung erfordern lediglich geringe Hilfeleistungen.

Der monatliche Entlastungsbetrag von 125 Euro wird in der Regel für verschiedene Unterstützungsmaßnahmen genutzt, wie beispielsweise Haushaltshilfe, Einkaufshilfe, die Teilnahme an aktivierenden Kursen und Gruppen oder die Inanspruchnahme eines Alltagsbegleiters für soziale Interaktion. Es ist wichtig zu beachten, dass die Betreuung durch einen Pflegedienst oder andere professionelle Pflegeprogramme nicht inbegriffen ist und auch vom Gesetzgeber nicht unterstützt wird. Hierbei steht das Prinzip „häusliche Pflege vor stationärer Pflege“ im Mittelpunkt.

Als weitere Unterstützung erhalten Pflegebedürftige mit Pflegegrad 1 einmalig einen Betrag von 4000 Euro, um ihre Wohnung bei körperlichen Beeinträchtigungen entsprechend anzupassen und Sturzgefahren zu minimieren. Dazu gehören beispielsweise der barrierefreie Zugang zur Badewanne oder Dusche sowie das Entfernen von Schwellen, um eine sichere und barrierefreie Wohnsituation zu gewährleisten. Diese Maßnahmen dienen der Verbesserung der Wohnqualität und der Förderung der Selbstständigkeit im häuslichen Umfeld.

Leistungen im Überblick

LeistungsartLeistung und Häufigkeit
Pflegegeldkein Anspruch
Pflegesachleistungenkein Anspruch
Tages- und Nachtpflegekein Anspruch
Kurzzeitpflegekein Anspruch
Verhinderungspflegekein Anspruch
Vollstationäre Pflegekein Anspruch
Betreuungs- und Entlastungsleistungen125 Euro/Monat
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittelbis zu 40 Euro/Monat
Hausnotruf25,50 Euro/Monat
Wohnraumanpassung4.000 Euro/Gesamtmaßnahme
Wohngruppenzuschuss214 Euro/Monat

Die genaue Höhe der Leistungen kann je nach Pflegekasse variieren. Bitte informieren Sie sich bei Ihrer zuständigen Pflegekasse noch einmal genau über die aktuellen Leistungen.

Darum ist eine frühzeitige Beantragung wichtig

Eine Pflegebedürftigkeit besteht nicht immer nur dann, wenn man ans Bett gebunden ist oder keine eigene Haushaltsführung mehr bewerkstelligen kann. Deshalb ist es ratsam, frühzeitig einen Antrag auf Erteilung eines Pflegegrades zu stellen, um die bestmögliche Unterstützung zu erhalten. Dadurch können auch erste Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds oder sogar ein Umzug in eine barrierefreie Wohnung in Angriff genommen werden.

Ein frühzeitiger Antrag auf Pflegegrad 1 ermöglicht Ihnen die frühzeitige und bestmögliche Unterstützung und führt in den meisten Fällen zur weitgehenden Aufrechterhaltung der Selbstständigkeit und Lebensqualität.

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